Untersuchung des Kniegelenks
Klaus Steinbrück, J C Wiehmann
Abstract
Klaus Steinbrück, J C Wiehmann
Abstract
Rein klinisch erhobene Untersuchungsbefunde am Kniegelenk können allenfalls als “Screening-Verfahren” gewertet werden. Die apparative Diagnostik (Sonographie, Arthrographie, CT, NMR) ergibt bessere Resultate. Die Arthroskopie durch einen erfahrenen Untersucher jedoch klärt bei Verdacht auf Meniskusoder isolierte Kreuzbandläsion die Diagnose und führt zu frühzeitiger und damit optimaler Therapie. Im Rahmen einer retrospektiven Studie werden 300 im Jahr 1985 durchgeführten Arthroskopien ausgewählt und gewertet. Prospektiv werden 1986/87 300 weitere Patienten nach gleichen Kriterien klinisch untersucht und der Befund mit der am Folgetag vorgenommenen Arthroskopie verglichen. Klinisch wird an 287 Patienten bei Mehrfachdiagnosen 162mal (54%) eine Innenmeniskus-, 38mal (13 %) eine Außenmeniskusläsion, 54mal (18%) eine Chondropathia patellae, 46mal (15%) eine alte vordere Kreuzbandruptur diagnostiziert. Bei 13 Patienten kann keine Festlegung erfolgen. Arthroskopisch ergibt sich bei den 300 Patienten 98mal (33%) ein pathologischer Innenmeniskus-, 40mal (13%) ein Außenmeniskus-, 103mal (34%) ein Knorpelschaden, 51mal (17%) eine alte und 16mal (52%) eine frische vordere Kreuzbandruptur - 40mal war der Befund unauffällig. Den höchsten positiven Vorhersagewert (Anteil der arthroskopisch bestätigten von den klinisch vermuteten Diagnosen) hat die alte vordere Kreuzbandruptur mit 78 %, der Außenmeniskus folgt mit 61 %, der Innenmeniskus mit 55 % - also nur 55 von 100 klinisch vermuteten Innenmeniskusschäden werden arthroskopisch diagnostiziert. Die Sensitivität (Anteil der klinisch richtig erkannten von den arthroskopisch abgesicherten Diagnosen) beträgt beim Innenmeniskus 91%, bei der alten vorderen Kreuzbandruptur 71 % und beim Außenmeniskus 58%. Dies besagt, daß 9 von 10 Innenmeniskusläsionen klinisch richtig erkannt wurden. Die Diagnose “Innenmeniskus” wird also aufgrund der klinischen Untersuchung viel zu häufig gestellt, da die klinischen Zeichen einzeln recht ungenau sind (Sensitivität: medialer Druckschmerz 74 %, Apley-grinding 46 %, Überstreckschmerz 43 %, Steinmann I 42 % und McMurray 35 %) und erst in ihrer Kombination zu besseren Werten führen. Zudem haben Zeichen mit einer hohen Sensitivität am Innenmeniskus eine hohe Rate falsch-positiver Befunde. Symptome eines Außenmeniskusrisses und eines retropatellaren Knorpelschadens werden häufig nach medial projiziert.
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Rein klinisch erhobene Untersuchungsbefunde am Kniegelenk können allenfalls als “Screening-Verfahren” gewertet werden. Die apparative Diagnostik (Sonographie, Arthrographie, CT, NMR) ergibt bessere Resultate. Die Arthroskopie durch einen erfahrenen Untersucher jedoch klärt bei Verdacht auf Meniskusoder isolierte Kreuzbandläsion die Diagnose und führt zu frühzeitiger und damit optimaler Therapie. Im Rahmen einer retrospektiven Studie werden 300 im Jahr 1985 durchgeführten Arthroskopien ausgewählt und gewertet. Prospektiv werden 1986/87 300 weitere Patienten nach gleichen Kriterien klinisch untersucht und der Befund mit der am Folgetag vorgenommenen Arthroskopie verglichen. Klinisch wird an 287 Patienten bei Mehrfachdiagnosen 162mal (54%) eine Innenmeniskus-, 38mal (13 %) eine Außenmeniskusläsion, 54mal (18%) eine Chondropathia patellae, 46mal (15%) eine alte vordere Kreuzbandruptur diagnostiziert. Bei 13 Patienten kann keine Festlegung erfolgen. Arthroskopisch ergibt sich bei den 300 Patienten 98mal (33%) ein pathologischer Innenmeniskus-, 40mal (13%) ein Außenmeniskus-, 103mal (34%) ein Knorpelschaden, 51mal (17%) eine alte und 16mal (52%) eine frische vordere Kreuzbandruptur - 40mal war der Befund unauffällig. Den höchsten positiven Vorhersagewert (Anteil der arthroskopisch bestätigten von den klinisch vermuteten Diagnosen) hat die alte vordere Kreuzbandruptur mit 78 %, der Außenmeniskus folgt mit 61 %, der Innenmeniskus mit 55 % - also nur 55 von 100 klinisch vermuteten Innenmeniskusschäden werden arthroskopisch diagnostiziert. Die Sensitivität (Anteil der klinisch richtig erkannten von den arthroskopisch abgesicherten Diagnosen) beträgt beim Innenmeniskus 91%, bei der alten vorderen Kreuzbandruptur 71 % und beim Außenmeniskus 58%. Dies besagt, daß 9 von 10 Innenmeniskusläsionen klinisch richtig erkannt wurden. Die Diagnose “Innenmeniskus” wird also aufgrund der klinischen Untersuchung viel zu häufig gestellt, da die klinischen Zeichen einzeln recht ungenau sind (Sensitivität: medialer Druckschmerz 74 %, Apley-grinding 46 %, Überstreckschmerz 43 %, Steinmann I 42 % und McMurray 35 %) und erst in ihrer Kombination zu besseren Werten führen. Zudem haben Zeichen mit einer hohen Sensitivität am Innenmeniskus eine hohe Rate falsch-positiver Befunde. Symptome eines Außenmeniskusrisses und eines retropatellaren Knorpelschadens werden häufig nach medial projiziert.
Key concepts: Medicine, Arthroscopy, Meniscus, Cruciate ligament, Anterior cruciate ligament, Lateral meniscus, Knee Joint, Medial meniscus