1991AINS - Anästhesiologie · Intensivmedizin · Notfallmedizin · SchmerztherapieRequires access

Sensorische Informationsverarbeitung während Allgemeinanästhesie - Akustisch evozierte 30 - 40 Hz-Oszillation und intraoperative Aufwachreaktion während Sectio caesarea

D. Schwender, Ingo Keller, B. Daschner, Ch. Madler

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Abstract

Zahlreiche neuropsychologische und neurophysiologische Untersuchungen belegen, daß adäquater Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information eine neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation als formale Struktur zugrunde liegt, die sich im akustisch evozierten Potential mittlerer Latenz abbilden läßt. Da die Inzidenz intraoperativer Aufwachreaktionen, unzureichender Bewußtseinsausschaltung mit Perzeption sensorischer Stimuli für Sectio caesarea in Allgemeinanästhesie mit bis zu 40 % angegeben wird, sollte untersucht werden, ob akustisch evozierte neuronale 30 - 40 Hz-Oszillationen mit Zuständen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Sectio caesarea korrelieren. Nach Aufklärung und Einverständnis wurden 21 Patientinnen, die sich einer elektiven Sectio caesarea unterziehen mußten, untersucht. Die Allgemeinanästhesie wurde eingeleitet mit Thiopental (5 mg/kg KG i.v.) und aufrechterhalten mit Thiopental (1 - 2 mg/kg KG i.v.) und 50 % N 2 O in O 2 nach klinischen Zeichen adäquater Anästhesie. Nach Entbindung kam ein balanziertes Anästhesieverfahren mit Fentanyl, Enfluran und 50 % N 2 O in O 2 zur Anwendung. Als Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung galten spontanmotorische Bewegungen wie Mimik, Augenöffnen, gezielte Extremitätenbewegungen, gezielte motorische Bewegungen nach akustischer Stimulation (Reiz A: schreiender Säugling, Reiz B: klassische Klaviermusik) sowie 1 Stunde und 24 Stunden postoperativ geschilderte intraoperative Traumerlebnisse und Halluzinationen und Erleben realer intraoperativer Geschehnisse. Akustisch evozierte Potentiale wurden on-line vor und während Allgemeinanästhesie über den ganzen Untersuchungszeitraum abgeleitet. Identifiziert wurden die Gipfel V, Na, Pa und ihre Latenzen vermessen. Eine Fast-Fourier-Transform-Analyse ermittelte die Energieanteile der einzelnen Frequenzkomponenten und erstellte ein korrespondierendes Energiespektrum des akustisch evozierten Potentials. Spontanmotorische Aufwachreaktionen waren z. T. mehrfach bei 60 % der Patientinnen zu beobachten und erlaubten keine Korrelation zu klinischen Zeichen ausreichender Anästhesie und den gemessenen Herz-Kreislaufparametern. Provozierte motorische Aufwachreaktionen waren viermal so häufig nach Reiz A wie nach Reiz B zu beobachten. Über intraoperative Traumerlebnisse berichteten 43 % der Patientinnen eine Stunde postoperativ und 9,5 % der Patientinnen 24 Stunden postoperativ. 9,5 % der Patientinnen erinnerten chirurgische Manipulationen wie Hautinzision und Abstopfen des Oberbauches. In den akustisch evozierten Potentialen der wachen Patientinnen zeigten die Gipfel V, Na, Pa eine normale Latenz. Eine 30 - 40 Hz-Oszillation im Bereich der mittleren Latenz war energetisch dominant. Unter adäquater Allgemeinanästhesie wurde die neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation unterdrückt, das Energiemaximum des AEP verschob sich in den niederfrequenten Bereich. Während spontaner oder provozierter Aufwachreaktionen sowie bei den Patientinnen, die über Traumerlebnisse und intraoperative Wahrnehmung berichteten, zeigten die akustisch evozierten Potentiale im Bereich der mittleren Latenz deutliche neuronale Oszillationen, in denen Frequenzanteile im Bereich von 30 - 40 Hz energetisch dominierten. Akustisch evozierte 30 - 40 Hz-Oszillationen korrelierten mit klinischen Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie. Die zentrale Verarbeitung eines Sinnesreizes erscheint mit einer neuronalen Oszillation dieses Frequenzbereiches korreliert zu sein, die als strukturelle Rahmenbedingung der adäquaten Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information als Voraussetzung zugrunde liegt. In der vorliegenden Untersuchung erweisen sich akustisch evozierte Potentiale und ihre korrespondierenden Energiespektren als guter Parameter zur Erfassung zentraler Informationsverarbeitungsprozesse. Die im akustisch evozierten Potential sich darstellende 30 - 40 Hz-Oszillation erweist sich als vielversprechender methodischer Ansatz eines zerebralen Monitorings für adäquate Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie.

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Zahlreiche neuropsychologische und neurophysiologische Untersuchungen belegen, daß adäquater Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information eine neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation als formale Struktur zugrunde liegt, die sich im akustisch evozierten Potential mittlerer Latenz abbilden läßt. Da die Inzidenz intraoperativer Aufwachreaktionen, unzureichender Bewußtseinsausschaltung mit Perzeption sensorischer Stimuli für Sectio caesarea in Allgemeinanästhesie mit bis zu 40 % angegeben wird, sollte untersucht werden, ob akustisch evozierte neuronale 30 - 40 Hz-Oszillationen mit Zuständen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Sectio caesarea korrelieren. Nach Aufklärung und Einverständnis wurden 21 Patientinnen, die sich einer elektiven Sectio caesarea unterziehen mußten, untersucht. Die Allgemeinanästhesie wurde eingeleitet mit Thiopental (5 mg/kg KG i.v.) und aufrechterhalten mit Thiopental (1 - 2 mg/kg KG i.v.) und 50 % N 2 O in O 2 nach klinischen Zeichen adäquater Anästhesie. Nach Entbindung kam ein balanziertes Anästhesieverfahren mit Fentanyl, Enfluran und 50 % N 2 O in O 2 zur Anwendung. Als Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung galten spontanmotorische Bewegungen wie Mimik, Augenöffnen, gezielte Extremitätenbewegungen, gezielte motorische Bewegungen nach akustischer Stimulation (Reiz A: schreiender Säugling, Reiz B: klassische Klaviermusik) sowie 1 Stunde und 24 Stunden postoperativ geschilderte intraoperative Traumerlebnisse und Halluzinationen und Erleben realer intraoperativer Geschehnisse. Akustisch evozierte Potentiale wurden on-line vor und während Allgemeinanästhesie über den ganzen Untersuchungszeitraum abgeleitet. Identifiziert wurden die Gipfel V, Na, Pa und ihre Latenzen vermessen. Eine Fast-Fourier-Transform-Analyse ermittelte die Energieanteile der einzelnen Frequenzkomponenten und erstellte ein korrespondierendes Energiespektrum des akustisch evozierten Potentials. Spontanmotorische Aufwachreaktionen waren z. T. mehrfach bei 60 % der Patientinnen zu beobachten und erlaubten keine Korrelation zu klinischen Zeichen ausreichender Anästhesie und den gemessenen Herz-Kreislaufparametern. Provozierte motorische Aufwachreaktionen waren viermal so häufig nach Reiz A wie nach Reiz B zu beobachten. Über intraoperative Traumerlebnisse berichteten 43 % der Patientinnen eine Stunde postoperativ und 9,5 % der Patientinnen 24 Stunden postoperativ. 9,5 % der Patientinnen erinnerten chirurgische Manipulationen wie Hautinzision und Abstopfen des Oberbauches. In den akustisch evozierten Potentialen der wachen Patientinnen zeigten die Gipfel V, Na, Pa eine normale Latenz. Eine 30 - 40 Hz-Oszillation im Bereich der mittleren Latenz war energetisch dominant. Unter adäquater Allgemeinanästhesie wurde die neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation unterdrückt, das Energiemaximum des AEP verschob sich in den niederfrequenten Bereich. Während spontaner oder provozierter Aufwachreaktionen sowie bei den Patientinnen, die über Traumerlebnisse und intraoperative Wahrnehmung berichteten, zeigten die akustisch evozierten Potentiale im Bereich der mittleren Latenz deutliche neuronale Oszillationen, in denen Frequenzanteile im Bereich von 30 - 40 Hz energetisch dominierten. Akustisch evozierte 30 - 40 Hz-Oszillationen korrelierten mit klinischen Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie. Die zentrale Verarbeitung eines Sinnesreizes erscheint mit einer neuronalen Oszillation dieses Frequenzbereiches korreliert zu sein, die als strukturelle Rahmenbedingung der adäquaten Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information als Voraussetzung zugrunde liegt. In der vorliegenden Untersuchung erweisen sich akustisch evozierte Potentiale und ihre korrespondierenden Energiespektren als guter Parameter zur Erfassung zentraler Informationsverarbeitungsprozesse. Die im akustisch evozierten Potential sich darstellende 30 - 40 Hz-Oszillation erweist sich als vielversprechender methodischer Ansatz eines zerebralen Monitorings für adäquate Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie.

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Method / approach

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Main findings

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Limitations

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Applications

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Available abstract

Zahlreiche neuropsychologische und neurophysiologische Untersuchungen belegen, daß adäquater Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information eine neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation als formale Struktur zugrunde liegt, die sich im akustisch evozierten Potential mittlerer Latenz abbilden läßt. Da die Inzidenz intraoperativer Aufwachreaktionen, unzureichender Bewußtseinsausschaltung mit Perzeption sensorischer Stimuli für Sectio caesarea in Allgemeinanästhesie mit bis zu 40 % angegeben wird, sollte untersucht werden, ob akustisch evozierte neuronale 30 - 40 Hz-Oszillationen mit Zuständen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Sectio caesarea korrelieren. Nach Aufklärung und Einverständnis wurden 21 Patientinnen, die sich einer elektiven Sectio caesarea unterziehen mußten, untersucht. Die Allgemeinanästhesie wurde eingeleitet mit Thiopental (5 mg/kg KG i.v.) und aufrechterhalten mit Thiopental (1 - 2 mg/kg KG i.v.) und 50 % N 2 O in O 2 nach klinischen Zeichen adäquater Anästhesie. Nach Entbindung kam ein balanziertes Anästhesieverfahren mit Fentanyl, Enfluran und 50 % N 2 O in O 2 zur Anwendung. Als Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung galten spontanmotorische Bewegungen wie Mimik, Augenöffnen, gezielte Extremitätenbewegungen, gezielte motorische Bewegungen nach akustischer Stimulation (Reiz A: schreiender Säugling, Reiz B: klassische Klaviermusik) sowie 1 Stunde und 24 Stunden postoperativ geschilderte intraoperative Traumerlebnisse und Halluzinationen und Erleben realer intraoperativer Geschehnisse. Akustisch evozierte Potentiale wurden on-line vor und während Allgemeinanästhesie über den ganzen Untersuchungszeitraum abgeleitet. Identifiziert wurden die Gipfel V, Na, Pa und ihre Latenzen vermessen. Eine Fast-Fourier-Transform-Analyse ermittelte die Energieanteile der einzelnen Frequenzkomponenten und erstellte ein korrespondierendes Energiespektrum des akustisch evozierten Potentials. Spontanmotorische Aufwachreaktionen waren z. T. mehrfach bei 60 % der Patientinnen zu beobachten und erlaubten keine Korrelation zu klinischen Zeichen ausreichender Anästhesie und den gemessenen Herz-Kreislaufparametern. Provozierte motorische Aufwachreaktionen waren viermal so häufig nach Reiz A wie nach Reiz B zu beobachten. Über intraoperative Traumerlebnisse berichteten 43 % der Patientinnen eine Stunde postoperativ und 9,5 % der Patientinnen 24 Stunden postoperativ. 9,5 % der Patientinnen erinnerten chirurgische Manipulationen wie Hautinzision und Abstopfen des Oberbauches. In den akustisch evozierten Potentialen der wachen Patientinnen zeigten die Gipfel V, Na, Pa eine normale Latenz. Eine 30 - 40 Hz-Oszillation im Bereich der mittleren Latenz war energetisch dominant. Unter adäquater Allgemeinanästhesie wurde die neuronale 30 - 40 Hz-Oszillation unterdrückt, das Energiemaximum des AEP verschob sich in den niederfrequenten Bereich. Während spontaner oder provozierter Aufwachreaktionen sowie bei den Patientinnen, die über Traumerlebnisse und intraoperative Wahrnehmung berichteten, zeigten die akustisch evozierten Potentiale im Bereich der mittleren Latenz deutliche neuronale Oszillationen, in denen Frequenzanteile im Bereich von 30 - 40 Hz energetisch dominierten. Akustisch evozierte 30 - 40 Hz-Oszillationen korrelierten mit klinischen Zeichen unzureichender Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie. Die zentrale Verarbeitung eines Sinnesreizes erscheint mit einer neuronalen Oszillation dieses Frequenzbereiches korreliert zu sein, die als strukturelle Rahmenbedingung der adäquaten Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Information als Voraussetzung zugrunde liegt. In der vorliegenden Untersuchung erweisen sich akustisch evozierte Potentiale und ihre korrespondierenden Energiespektren als guter Parameter zur Erfassung zentraler Informationsverarbeitungsprozesse. Die im akustisch evozierten Potential sich darstellende 30 - 40 Hz-Oszillation erweist sich als vielversprechender methodischer Ansatz eines zerebralen Monitorings für adäquate Bewußtseinsausschaltung während Allgemeinanästhesie.

Key concepts: Medicine, Gynecology

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